

21.10.2026 | Blog KI in der Justiz: Von der Aktensuche zur sicheren KI-Assistenz für Gerichte
TL;DR – Das Wichtigste in Kürze
✓ Automatisch erkannte Metadaten wie Aktenzeichen und Rechtsnorm werden zu intelligenten Suchfiltern, ganz ohne manuelle Verschlagwortung.
✓ Generative KI ergänzt die Suche: Sie fasst Akten zusammen, findet vergleichbare Entscheidungen, überarbeitet Texte und bereitet Entwürfe vor – im eigenen Haus, mit Quellen und Berechtigungsprüfung. Die Entscheidung bleibt beim Menschen.
Suche in Akten und Entscheidungen
In Gerichten wachsen die Dokumentenbestände stetig: Schriftsätze, Bescheide, Protokolle und über Jahre aufgebaute Entscheidungsarchive. Mit der elektronischen Akte liegen diese Inhalte zunehmend digital vor – auffindbar und nutzbar werden sie damit aber noch nicht automatisch.
Der IntraFind iFinder erschließt beide Welten in einer Suche: die Verfahrensakten mit ihren Schriftsätzen, Bescheiden und Unterlagen und den internen Entscheidungsbestand des Gerichts. Gerade Letzterer ist ein oft ungehobener Wissensschatz. Viele Entscheidungen, etwa alltägliche Standardfälle, werden nie in externen Verlagsdatenbanken veröffentlicht – im eigenen Haus sind sie die einzige Quelle dafür, wie vergleichbare Fälle bisher entschieden wurden.
- Für die richterliche Arbeit bedeutet das: ein zentraler Zugang zu Akten und Entscheidungen statt Suche in verteilten Ablagen.
Intelligente Suchfilter für Richterinnen und Richter
Neben der Volltextsuche analysiert der iFinder jedes Dokument bereits beim Indexieren, also, wenn die Inhalte für die spätere Suche erfasst und aufbereitet werden. Bestimmte Merkmale erkennt die Software automatisch und stellt sie als strukturierte Metadaten bereit, zum Beispiel:
- Aktenzeichen
- Rechtsnorm
Diese Metadaten stehen als Suchfilter zur Verfügung. Niemand muss Dokumente manuell verschlagworten – Richterinnen und Richter grenzen Ergebnisse mit wenigen Klicks auf ein Aktenzeichen oder eine Rechtsnorm ein.
- Für die richterliche Arbeit bedeutet das: weniger Zeit mit Suchen verbringen, schneller beim relevanten Dokument.
Generative KI: die nächste Ebene der Suche
Auf dieser Basis setzt generative KI auf. Die KI ersetzt die Suche nicht, sondern arbeitet mit ihren Ergebnissen: Der IntraFind iAssistant nutzt die relevanten Akten und Entscheidungen, die zuvor durch die Suche gefunden wurden, formuliert auf dieser Grundlage Antworten und nennt die zugrunde liegenden Quellen. Das technische Prinzip dahinter heißt Retrieval Augmented Generation (RAG).
Akteninhalte schneller erfassen
Mit der Funktion Ask a Document im iAssistant fassen Richterinnen und Richter ausgewählte Aktenbestandteile gezielt zusammen und erschließen sich relevantes Wissen durch Fragen. Die Antwort stützt sich ausschließlich auf diese Dokumente: worum es im Verfahren geht, welche Sachverhalte genannt werden und welche Positionen die Beteiligten vertreten. Quellenangaben und Zitate führen direkt zur jeweiligen Stelle in der Akte.
Vergleichbare Entscheidungen finden
Der iAssistant recherchiert im internen Entscheidungsbestand nach ähnlich gelagerten Fällen, vergleichbaren Sachverhalten und bestehenden Argumentationslinien. Die automatisch erkannten Metadaten verbessern dabei die Treffsicherheit – die Qualität der KI-Antwort hängt direkt von der Qualität der Suche ab.
Texte überarbeiten und übersetzen
Die Lösung überarbeitet spracherkannte Diktate, korrigiert Entwürfe, verbessert Formulierungen und überträgt einzelne Passagen als Arbeitsübersetzung – ohne dass Texte das Haus verlassen.
Tatbestände vorbereiten
Auf Basis ausgewählter Aktenbestandteile erstellt die KI einen ersten Entwurf des Tatbestands. Generierte Inhalte sind dabei immer Arbeitsgrundlage: Prüfung, Würdigung und Verantwortung liegen vollständig bei der Richterin oder dem Richter.
Juristische Fachdatenbanken sicher einbinden
Für die klassische Rechtsrecherche nutzen Gerichte die KI-Angebote juristischer Verlage. Akteninhalte dürfen dort aber nicht ohne Weiteres eingegeben werden. Die interne KI-Umgebung löst das: Sie pseudonymisiert die Fallinformationen und formuliert daraus eine abstrakte juristische Recherchefrage. Nur diese pseudonymisierte Frage verlässt das Gericht, die Zuordnung zum Fall bleibt intern.
- Für die richterliche Arbeit bedeutet das: Entlastung beim Lesen, Recherchieren und Formulieren – die Entscheidung selbst bleibt beim Menschen.
Das Fundament: eine kontrollierte KI-Umgebung im eigenen Haus
Alle KI-Funktionen setzen dieselbe Grundlage voraus: eine KI-Infrastruktur, in der sensible und personenbezogene Daten das Gericht nicht verlassen. Dazu gehören der Betrieb im eigenen Rechenzentrum (On-Premises), frei wählbare Sprachmodelle sowie die Anbindung an die bestehende Suche.
Checkliste: Anforderungen an KI im Gericht
- Betrieb im eigenen Rechenzentrum, keine Datenübertragung an externe KI-Dienste
- Freie Modellwahl, auch mit lokal betriebenen Open-Weights-Modellen
- Prüfung bestehender Zugriffsberechtigungen bei jeder Antwort
- Quellenangaben und Zitate für jede Aussage
- Guardrails gegen manipulierte Eingaben wie Prompt Injection
- Protokollierung für Nachvollziehbarkeit und Audits
- Pseudonymisierung, bevor Inhalte an externe Fachdienste gehen
- Klare Kennzeichnung KI-generierter Entwürfe
Fazit: Generative KI ergänzt die Suche – sie ersetzt sie nicht
Gerichte brauchen keinen allgemeinen KI-Chatbot, sondern eine Lösung, die Suche, interne Wissensbestände und generative KI zusammenführt. IntraFind verbindet die Suche in Akten und Entscheidungen, intelligente Suchfilter und KI-Assistenz in einer kontrollierten Umgebung im eigenen Haus. Entscheidend ist dabei nicht allein das Sprachmodell, sondern das Zusammenspiel aus Suchqualität, automatisch erzeugten Metadaten, Berechtigungen und Datenschutz.
Sicherheit, Datenschutz und Compliance auf einen Blick
• EU-KI-Verordnung - iFinder und iAssistant sind konform zur KI-Verordnung (EU) 2024/1689.
• Barrierefreiheit - Geprüft nach BITV 2.0.
• Datenschutz - Datenschutzkonformer Betrieb nach DSGVO.
• Kein Modelltraining - Ihre Daten werden nicht für das Training von KI-Modellen verwendet.
• Data Residency - Sie bestimmen, wo Ihre Daten verarbeitet und gespeichert werden.
FAQ
Nein. Die KI-Lösungen von IntraFind unterstützen Richterinnen und Richter bei der Recherche, der Auswertung von Akten und der Erstellung von Textentwürfen. Die Prüfung und rechtliche Würdigung der Ergebnisse sowie die richterliche Entscheidung bleiben vollständig in der Verantwortung des menschlichen Experten.
Akteninhalte enthalten personenbezogene und vertrauliche Daten. Eine interne Lösung verarbeitet sie im eigenen Haus, berücksichtigt Berechtigungen und belegt Antworten mit Quellen.
Die Fallinformationen werden intern verarbeitet und pseudonymisiert. Nach außen geht nur eine abstrakte juristische Fragestellung ohne Rückschluss auf den konkreten Fall.
Weiterführende Seiten und Artikel


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Der Autor
Franz Kögl
